B i e r - R e i s e d u r c h 5 K o n t i n e n t e
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Delmenhorst und Bier

Heute findet man auf den ersten Blick kaum eine Verbindung zu den Themen Bier oder Brauerei. Wenn man genauer hinsieht, gibt es aber zahlreiche Anknüpfungspunkte:

 

1. Im Ortsteil Bungerhof gibt es einen Brauereiweg, hier wurde über 60 Jahre lang, von 1851 bis 1914, Bier gebraut, siehe Unterverzeichnis links oder hier.

 

2. Es gibt eine Arthur-Fitger-Straße und ein "Neues Fitgerhaus" am Marktplatz, benannt nach dem berühmten Poet und Maler Arthur Fitger. Sein ausgewanderter Bruder August betrieb eine angesehene Brauerei in den USA.

 

3. Kronkorken für Bierflaschen werden noch heute von der Fa. DKF (Delmenhorster Korkfabrik) am Brendelweg produziert, siehe auch hier. Die Korkenherstellung hat in Delmenhorst eine lange Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert begann in dieser Gegend das Korkenschneiden, zunächst in Heimarbeit für Bremer Weinhändler, dann auch für Bierbrauer, Apotheker und andere Abnehmer. Später entstanden Korkfabriken. Kurt Müsegades bezeichnete Hasbergen (heute zu Delmenhorst) als Hochburg der Korkenschneider [11]. Der Rohstoff, die Rinde der Korkeiche, kam per Schiff aus Spanien, Portugal oder Nordafrika. Details hierzu findet man im Delmenhorster Stadtmuseum.

Interessant ist, daß auch der Gründer der Delmenhorster Brauerei aus einer Korkschneiderfamilie stammt.

 

4. Es gibt zahlreiche Funde von alten, namentlich geprägten Bierflaschen, die damals bei Delmenhorster Bierverlegern in Gebrauch waren. Einige Exemplare sind im Hobby Museum, im Stadtmuseum sowie im Museum für Industriekultur ausgestellt, siehe Unterverzeichnis links oder hier.

 

5. Eine Hinweistafel auf Hopfenanbau findet man auf dem ehemaligen ev. Friedhof an der Bremer Straße. In diesem Gebiet wurden im Mittelalter bis zum Jahre 1674 Hopfen für das Bierbrauen angebaut.

 

6. Mehrere Delmenhorster Hobbybrauer stellen für den Eigenbedarf "Craftbiere" her, z.T. mit Hopfen aus eigenem Anbau.

 

 

Zu Punkt 2): Die Fitger Familie

"Altes Fitgerhaus" © Archiv der Städtischen Galerie Delmenhorst, mit freundlicher Genehmigung

Heinrich Fitger war mit seiner Familie kurz nach 1800 in unsere Stadt gekommen, wurde später Ratsherr und Postverwalter. 1813 kaufte er das Anwesen am Marktplatz 1 und ließ die Gebäude zur Posthalterei und Hotel (Fitger's Hotel) umbauen.

Nach seinem Tod 1834 übernahm sein Sohn Peter Diedrich Fitger diese Aufgaben [51].

Seine Ehefrau Clara Plate, verw. Dony, brachte die Kinder Alma und Alexis mit in die Ehe, gebar dann noch 10 weitere Kinder: Arthur, Edmund, Marie, Elfriede, Heinrich, Emil, Robert, Peter, August (der Bierbrauer) und Cornelia. Die Familie bewohnte die oberen Räume über dem Fitger Hotel, siehe Abbildung rechts (Zeichnung um 1850).

Um 1870 wurde das Fitgerhaus verkauft und die verbliebenen Fitgers zogen nach Bremen in die Humboldtstraße 127.

Foto 2017: Neues Fitgerhaus in Delmenhorst am Marktplatz

Das "Alte Fitgerhaus" wurde im Jahre 1963 abgerissen und durch damals "moderne" Spitzgiebelbauten ersetzt. Diesen Häusern widerfuhr später das gleiche Schicksal. Seit 2004 steht hier ein moderner Neubau, das sog. "Neue Fitgerhaus", Bild rechts.

An der Rückseite des Gebäudes befinden sich Info-Tafeln zum Haus und zum Künstler Arthur Fitger.

Portrait Arthur Fitger © Stadtarchiv Delmenhorst

Arthur Fitger (1840-1909) war Maler und Poet und wohl der berühmteste Künstler, den die Stadt Delmenhorst hervorgebracht hat. Ausbildung und Beruf führten ihn nach München, Dresden, Antwerpen, Rom, Wien, Berlin und Bremen, wo er ein Atelier besaß. Ab 1890 war er dann in seiner eigenen Villa an der Horner Heerstraße bis zu seinem Lebensende künstlerisch tätig. Seine unverheiratete Schwester Marie Fitger (1843-1929), Schriftstellerin, führte ihm hier den Haushalt.

Er liebte monumentale Bilder mit Darstellungen aus der Mythologie.

Ölgemälde und Wandbild auf Postkarten [21]

Seine Werke findet man in Schlössern, Landhäusern, Rathäusern, Postgebäuden, Weinkellern, Hotels, auf Schiffen und in Museen. Zwei seiner Werke aus den 1890er Jahren, "Der getreue Eckehard" und "Aschenbrödels Brautfahrt" können im Delmenhorster Rathaus besichtigt werden.

Kaum bekannt ist, daß er auch für die Brauerei seines Bruders in Amerika malte, so den Weingott "Bacchus" und den Bierkönig "Gambrinus" als Vorlage für eine Statue im Biergarten [33].

Das Gemälde "Diomedes verwundet Aphrodite", das er für das Büro seines Bruders August schuf, errang 1893 auf der Weltausstellung in Chicago eine Goldmedaille [50].

Courtesy of Rose Mohnsam, Kiel/WIS

Elfriede Fitger (1845-1902), Bild rechts, eine Schwester des Malerpoeten, lebte seit 1869 in Amerika.  Sie hatte im Mai 1869 in der evangelischen Stadtkirche zu Delmenhorst den in Rodenkirchen (Unterweser) geborenen Ferdinand Krieger geheiratet. Der Sohn des dortigen Apothekers war nach dem Tode seines Vaters bereits 1850 nach Milwaukee (USA) ausgewandert. Seit 1867 war er auf Brautschau in seiner alten Heimat und lernte hier die Tochter des Delmenhorster Postverwalters kennen.

Nach der Hochzeit folgte Elfriede ihrem Ehemann nach Kiel/Wisconsin, wo sie ihr restliches Leben verbrachte und sich um ihre große Familie mit 11 Kindern kümmerte [52].

Ende 1871 wanderte ihr Bruder August ebenfalls nach Amerika aus. Er lebte während seiner Ausbildung als Bierbrauer in ihrer Familie.

August Fitger (1854-1933) siehe Untermenü links "Brauorte Auswanderer"

oder hier

Johann Heinrich Fitger (1799-1846), ältester Sohn des o.g. Heinrich Fitger war bereits 1818 nach Amerika ausgewandert und hatte dort eine große Familie mit 11 Kindern. In Delmenhorst ist dieser "John Henry Fitger" fast völlig unbekannt. Aus Briefen seines Sohnes Jeremiah, die sich im Delmenhorster Stadtarchiv befinden, geht hervor, daß dieser erst im Jahre 1907 durch eine Fitger- Bierwerbung von der Existenz seines Cousins August Fitger erfuhr. 

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© H. Frommeyer