B i e r - R e i s e d u r c h 5 K o n t i n e n t e
B i e r - R e i s e   d u r c h   5   K o n t i n e n t e

Bremen

Zur Zeit der Hanse, etwa vom 13. Jahrhundert bis in das 17. Jahrhundert, florierten die bremischen Brauereien, die ihr obergäriges Bier nicht nur regional verkauften, sondern es mit Schiffen in zahlreiche Länder an Nord- und Ostsee transportierten.

Mit dem Niedergang der Hanse und dem 30jährigen Krieg brach das Braugewerbe ein und es wurde nur noch für die Stadt und die angrenzenden Gebiete gebraut. Als außerhalb Bremens Einfuhrzoll erhoben wurde, sank die Zahl der bremischen Braustätten noch weiter, von ca. 250 im 17. Jahrhundert auf 21 im Jahre 1809. [12]

Erst nach Einführung der Gewerbefreiheit 1861 und der Umstellung auf untergärige Biere, die Dampf- oder Kältemaschinen erforderten, kam ein Aufschwung. Die Industriealisierung benötigte allerdings größere Produktionsflächen, die in der Altstadt gelegenen Stammhäuser wurden verlassen und das Brauen in die Neustadt verlegt. Das erforderliche Kapital beschaffte man sich z.B. über eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

Bremer Marktplatz mit Dom (Postkarte von 1900), Dom-Motiv auf Bremer Bieretiketten [21]

Bremer Brauereien

> AB-InBev (vormals Becks), Am Deich 18/19

Im Jahre 1843 von Thomas Duntze gegründet, firmierte später als Neustädter Actienbrauerei, Kaiserbrauerei Beck und Brauerei Beck. Das Bremer Traditionsunternehmen wurde 2002 an die belgische Interbrew-Gruppe verkauft und nennt sich nach deren Zusammenschluß mit Anheuser-Busch seit 2008 "AB-InBev".

Foto mit freundl. Genehmigung von Beck's Bistro

Das markanteste Produkt "Beck's Bier in der grünen Flasche" ist weltweit bekannt. Schon 1876 war es dem Braumeister Heinrich Beck gelungen, ein sehr helles, besonders haltbares, Bier zu brauen, das somit sehr gut für den Export geeignet war. Seit 1876 ist der Bremer Schlüssel im Wappen des Etikettes abgebildet, was zu der Bezeichnung "Schlüsselbier" oder "Key-Beer" führte.

Rechts zwei Email-Werbeschilder mit dem Bremer Schlüssel, vermutlich für den asiatischen Markt. Sie  befinden sich heute im Beck's Bistro in Bremen, Am Markt 9.

In den 1950er Jahren erfand man den später umstrittenen Werbespruch: "Beck's Bier löscht Männerdurst", siehe Bild unten. (Die Frauen wurden damals nicht als Bierkonsumenten angesprochen). Erst 1975 wandelte man den Slogan ab in:

"Beck's Bier löscht Kennerdurst" [22].

 

Im Jahre 2013 zum 140-jährigen Bestehen der Marke Beck's brachte die Brauerei eine limitierte Beck's Edition im Look der Gründertage heraus.

Werbeträger der Brauerei Beck/AB-InBev [21]

Jahrzehnte lang machte die Alexander von Humboldt mit den markanten grünen Segeln Werbung für Beck's Bier. Seit 2016 liegt das ausrangierte Segelschiff in Bremen an der Flaniermeile (Schlachte) vor Anker und fungiert jetzt als Cafe, Restaurant und Hotel.

 

Infos: www.becks.de, www.ab-inbev.de, www.alex-das-schiff.de

> Brauerei Haake-Beck, Am Deich 23

Im Jahre 1826 von Cord Hinrich Haake als Brauerei C.H. Haake gegründet, anfangs als Ein-Mann Betrieb in der Wachtstrasse 33. Durch die frühe Umstellung auf untergärige helle Biere florierte die Brauerei und wuchs rasant ...

1887: Umwandlung in eine Aktiengesellschaft: C.H. Haake Brauerei A.G.

1921 wurde per Vertrag festgeschrieben, daß die Kaiser Brauerei Beck ihr gesamtes Inlandsgeschäft auf die neu entstandene Haake-Beck A.G. überträgt.

Im Laufe der Zeit übernahm Haake-Beck eine größere Anzahl Brauereien aus dem norddeutschen Raum, z.B. die Winterhuder Brauerei in Hamburg, die Karlsburg Brauerei in Bremerhaven, die Haslinde-Hoyer Brauerei in Oldenburg, die Brauerei Schloß Wittekind in Wildeshausen oder die Bremer Union Brauerei im Stadtteil Walle.

Haake-Beck produziert(e) eine große Vielzahl von Bieren: Haake Beck Pils, Haake Beck Export, Haake Beck Edel Hell, Haake Beck Dunkel, Haake Beck Maibock, Haake Beck Kräusen, Haake Beck Alkoholfrei, Bremer Weisse, Remmer Alt, Remmer Light.

Das "Werder Bier" nennt sich Haake-Beck 12, siehe unten.

Werbeträger der Haake-Beck Brauerei: Etikett, Plakat und Postkarte [21]

> Bremer Brauerei A.G., Am Deich 27/30

Die 1873 von Fridolin Schöner und John Morisse gegründete Brauerei nannte sich zunächst "Bremer Brauerei John Morisse & Schöner". Das Brauerei-Areal lag in der Bremer Neustadt direkt an der Weser. Um damals den hohen Kapitalbedarf einer modernen Brauerei, die auch untergärige Biere herstellte, zu decken, gründete man 1881 eine Aktiengesellschaft, die "Bremer Brauerei A.G."

Produziert wurde sowohl für das Inland wie auch für den Export. Neben Kristall Bier und Excelsior Pilsen gab es noch weitere Marken wie Apollo, Storchenbräu oder Schwalbenschwanz.

Die steigende Bierproduktion erforderte um die Jahrhundertwende eine Erweiterung des Brauereigeländes.

Zur Zeit des Ersten Weltkrieges gab es einen Rohstoffmangel und starke Einbußen bei den Exportbieren, was 1916 zur Übernahme durch die benachbarte Brauerei C.H. Haake führte. Nach Zusammenlegung der Betriebe wurde das Brauen bei der Bremer Brauerei A.G. im Jahre 1917 eingestellt [7][12].

Etiketten der Bremer Brauerei A.G. für das Inland und für den Export [21]
Werbeanzeige aus dem Jahr 1924 [34]

> Bremer Union Brauerei, Theodorstrasse 12/13

Die Bremer Union Brauerei im Stadtteil Walle wurde 1907 von Bremer Gastwirten als GmbH gegründet. Im selben Jahr begann die Errichtung der Gebäude auf dem Eckgrundstück zwischen Holsteiner Strasse und Theodorstrasse. In den kommenden Jahren wurde der Komplex stetig erweitert. Heute spricht man von einer repräsentativen Industriearchitektur. 

1923 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, aber 1964, vor dem Verkauf an Haake Beck, wieder in eine GmbH überführt.

Die Schließung erfolgte am 31.3.1967, der Kundenkreis wurde von der Hemelinger Brauerei übernommen. [12]

Brauereigebäude (2005), Emailleschild und Bierglas [21]

 

> Freie Brau Union Brauerei, Theodorstrasse 12/13

Bierdeckel der Brauerei von 2016 [21]

In den umgebauten Gebäuden der Bremer Union Brauerei eröffnete im Dezember 2015 eine neu gegründete Craft Brauerei mit Gasthaus. Der Name knüpft an die frühere Union Brauerei an.

Eine große Anzahl unterschiedlicher Biere kann man im Gasthaus genießen, aber auch im angegliederten Shop für zuhause erwerben. Auch ausgesuchte Getränkemärkte in Bremen und Umgebung führen diese Biere. Abgefüllt wird in Mehrwegflaschen unterschiedlicher Größe. Alle Biere sind 100% bremisch, da in der Stadt gebraut und abgefüllt.

 

Öffnungszeiten und weitere Infos: www.brauerei-bremen.de

> Bierbrauerei Remmer, Buntentorsteinweg 110/120

Oldenburger Volkskalender 1884 [21]

Der Betrieb wurde 1824 von Cord Heinrich Remmer als Braunbierbrauerei am Schüsselkorb 9/10 gegründet.

Die Werbung für Lager- und Seefahrtbiere, rechts, stammt aus dieser Zeit.

Ab 1894 wurde auch am Buntentorsteinweg in der Bremer Neustadt Bier gebraut, zunächst ein helles Lagerbier. Bereits 1917 erfolgte die Übernahme durch die Kaiserbrauerei Beck und 1919 kam die Stillegung des Braubetriebes. Die bekanntesten Biere wurden von der Kaiserbrauerei und von der Haake-Beck Brauerei weiterproduziert [12].

Marken der Remmer Brauerei: Dombräu, Perl-Bier, Seefahrtsbier, Remmer Alt und Exportbiere

Alte Flaschenetiketten der Remmer Brauerei [21]

> Hemelinger Aktienbrauerei, Bahnhofstraße 22

Werbeträger der Aktienbrauerei: Emailleschild und Flaschenetikett [21]

Vorläufer war eine 1868 gegründete "Norddeutsche Actien-Ale und Porter Brauerei", deren schweren Porterbiere aber keinen großen Absatz fanden. Nach der Herstellung von hellen Bieren und Umbenennung in "Hemelinger Aktienbrauerei" stieg der Absatz. Das "Hemelinger Spezial" wurde mehrfach ausgezeichnet. 1985 übernahm die Brauerei Beck das Brauen der Hemelinger Biere und schloß die Braustätte im Stadtteil Hemelingen. Hier entstand die Bremer Erfrischungsgetränke GmbH, die 2005 an Coca Cola verkauft wurde.

Spruch auf einem Flaschenkarton, 2017 [21]

Die Hemelinger Biere gibts auch heute noch, allerdings nicht mehr von AB-Inbev. Bernhard Henze, der Geschäftsführer des Achimer Getränkegroßhandels Ahlers, hat 2008 die Marken- und Vertriebsrechte gekauft und läßt das Bier in Braunschweig nach Originalrezeptur herstellen. Mit flotten Sprüchen wie: "Stoppt Bierversuche", "Bierpfleger gesucht" oder "Lasst Blumen sprechen" wird es an den Mann gebracht.

 

Infos unter: www.hemelinger-bier.de

> Germania Brauerei Dressler, Hohentorstraße

Dreßler Werbung 1950, mit freundlicher Genehmigung [46]

Carsten Dressler gründete die Brauerei 1871 in der Faulenstraße. Die damaligen Braunbiere nannten sich "Twenn", "Drenn" oder "Dubbelbeer".

Später wurden Porter Biere nach englischem Rezept gebraut. Kurz vor der Jahrhundertwende kam das  Lagerbier "Dressler Export" auf den Markt, das sich sehr erfolgreich über lange Jahre verkaufen ließ. Der Name Dressler wurde in vielen Ländern ein Begriff [12]. Rechts eine Werbung für die Dreßler Produkte in Ostfriesland aus dem Jahre 1950.

In den 1950er Jahren erfolgte die Übernahme durch Holsten, Hamburg. 1971 feierte man  das 100 jährige Bestehen. Holsten stellte 1975 den Braubetrieb in Bremen ein und verlagerte die Produktion zur Kaiserbrauerei nach Hannover, die ihrerseits ein paar Jahre später ebenfalls geschlossen wurde.

Werbeträger der Dressler Brauerei [21]

> St. Pauli Brauerei, Bleicherstraße und Neustadt

Foto Eingangsportal, 2017

1853 erwarb Lüder Rutenberg die kurz zuvor gegründete Rungesche Brauerei in der Bleicherstraße 28/29, im Bremer Ostertor. Die Lage in der Nähe des ehemaligen Paulsklosters führte zum Namen "St. Pauli Brauerei". In den 1870er Jahren war sie die größte Brauerei Bremens. Das helle Lagerbier "St. Pauli Girl" war Exportschlager, es ist noch heute -von Becks gebraut- in den USA erhältlich.

Weitere Biere nannten sich: Tivoli, Minerva, Antilope, Pelican, Fürst Bismarck und Cabinet.

1882 wurde eine zweite Braustätte in der Neustadt errichtet, die ausschließlich für den Export arbeitete. 1918 übernahm die Kaiserbrauerei Beck ihren ärgsten Konkurrenten und deren Biere [12].

Bild rechts zeigt das Eingangsportal an der Bleicherstraße 28. Heute wird das Gebäude vom Bremer Theater genutzt.

Das historische Backsteingebäude ist heute leider mit "zeitgenössischer Kunst" versehen (stark besprüht). Die meisten Gebäude der zweiten Braustätte in der Bremer Neustadt wurden 1999 abgerissen, vorher war hier die Kornbrennerei Güldenhaus untergebracht. 

Werbeträger der St. Pauli Brauerei [21]

Eine alte Flasche mit geprägter Schrift: "St. Pauli-Brauerei Bremen"

(aus der Sammlung A. Ahlers) sowie alte Bierflaschen-Etiketten; linkes Etikett für Export Flaschen nach USA, rechtes Etikett aus der Zeit vor 1918.

> Bürgerliches Brauhaus Bremen, Friedrich-Karl-Straße 1

Etikett (Danke U. Soboll) und Anzeige von 1920

1902 gegründet [7]. Die Fertigstellung erfolgte  1903, ab jetzt findet man das Bürgerliche Brauhaus im Bremer Adressbuch [34]. Gründer waren Friedrich Morisse und Sohn, die ab 1903 unter der Adresse "Am schwarzen Meer 71" zu finden sind. Sie wohnten vorher in der Straße "Vor dem Steinthor 64" als Inhaber der Brauerei von G.J. John.

Ab 1920 gehörte das Bürgerliche Brauhaus zur Vereinigten Getränke-Industrie, die sich "VERGI A.G." nannte, siehe Anzeige [34].

Eine geprägte Flasche des Bürgerlichen Brauhauses befindet sich im Delmenhorster Museum für Industriekultur.

> Schüttinger Gasthausbrauerei, Hinter dem Schütting 12/13 (Innenstadt)

Foto 2019: Eingang zur Gasthausbrauerei

Am 12. Nov. 1990 hieß es: "Es gibt ein neues Bier in Bremen: Im Schüttinger".

Die Gasthausbrauerei leitet ihren Namen vom nahegelegenen "Schüttinghaus" ab, in dem im Mittelalter das Bremer Brauwesen kontrolliert wurde.

Im gemütlichen Brauhaus kann der Gast auf mehreren Etagen die frisch gebrauten, unfiltrierten Biere trinken und einen Blick auf die kupfernen Sudkessel werfen.

0,5 L Flasche [21]

Die Küche bietet deftige, aber auch leichte Speisen an.

Neben den ganzjährigen Standardbieren werden im Frühjahr der Schüttinger Maibock und zur Weinachtszeit der Schüttinger Winterbock gebraut.

 

Für Zuhause kann man "Schüttinger Hell" und "Schüttinger Dunkel" in 0,5 und 1 Liter Flaschen sowie in Siphons erwerben.

Für größere Feiern gibt's die Biere auch in Mehrwegfässern unterschiedlicher Größe.

 

 

 

Öffnungszeiten und weitere Infos unter: www.schuettinger.de

> Borgfelder Landhaus Brauerei, Warfer Landstraße 73

Die 1998 gegründete Gasthausbrauerei produzierte über viele Jahre ein helles "Borgfelder Urtrüb" und ein dunkles, süffiges "Lilienthaler" Bier. Das Haus an der "Franzosenbrücke" hat eine lange Tradition als Zollamt, Gasthaus, Cafe oder Restaurant. Der aus Braunschweig stammende Gastronom Stephan Brennecke hatte sich hier im Borgfelder Landhaus seinen Traum von einer eigenen Brauerei realisiert.

Nach einer Insolvenz hat eine Betriebsgesellschaft das Haus übernommen und führt es seit 2012 als Hotel und Restaurant ohne Braubetrieb weiter.

> Grebhan's Bier GmbH, Haferwende 29A (Horn)

Tobias Grebhan braute von 2014 - Anfang 2016 in einer kleinen Mikrobrauerei im Bremer Schnoor Viertel Craft Biere unter dem Namen „Grebhan’s Bier“. Dann zog er um in eine größere Immobilie im Stadtteil Horn, wo seit Ende Juli 2016 auf einer größeren Brauanlage besondere Craft Biere herstellt werden, z.B der Hopfenwolf, ein Indian Pale Ale oder das Ginger Pils, eine Kreation mit Ingwer. Die Biere werden in Flaschen sowie in Fässer abgefüllt. Flaschenbiere kann man z.B. bei Brolters im Bremer Steintor kaufen. Frisch gezapftes Bier gibt's in einigen Kneipen im Bremer "Viertel" sowie neuerdings auch im eigenen Gasthaus "TWOBEERS" in der Feldstrasse 19 in Bremen.

Weitere Infos unter: www.grebhansbier.com

Foto mit freundl. Genehmigung der Brauerei

Thomas Grebhahn präsentiert in seiner kleinen Brauerei im Bremer Stadtteil Horn "Die Hexe", ein rotes Roggen Ale, eine seiner vielen Kreationen.

Die Abfüllung in Flaschen ist bei ihm sehr zeitaufwendig, denn sie erfolgt noch per Hand.

Spezialsude aus Grebhahns Brauerei, Bierdeckel von 2015 und 2017 [21]

> Bremer Braumanufaktur, Marbacher Weg

Hopfenfänger Biere, 2016 [21]

Brauingenieur Markus Freibler braut seit 2014 eigene Craft Biere mit Hopfen aus eigenem Anbau in Gröpelingen. Ein eigenes Brauhaus gibt es z.Z. nicht, gebraut wird an unterschiedlichen Orten, z.B. im Schüttinger in Bremen oder in einer Brauerei in Südniedersachsen.

Die Hopfenfänger Flaschenbiere sind in gut sortierten Getränkemärkten erhältlich.

 

 

 

Infos unter: www.bremer-braumanufaktur.de

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© H. Frommeyer