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Partydose

Hauptformen der metallischen Partydosen

Definition

Nach eigener Definition ist die Partydose eine Einweg-Bierdose mit mehreren Litern Inhalt.

Der Begriff leitet sich aus den englischen Wörtern "Party Can" ab.

Das Material ist in der Regel Weißblech (Stahlblech mit Zinnüberzug), seltener Kunststoff.

 

Zylindrische Form

Ursprung in England

Die Partydose ist eine englische Erfindung aus den späten 1950er Jahren [4].

Es war nur eine Volumenvergrösserung der damaligen 0,35 Liter Bierdose, aber die Zapftechnik mußte neu erfunden werden.

Anfang der 1960er Jahre kamen hier erste sog. "Party Cans" auf den Markt, sie fassten 7 pint Bier (ca. 3,9 Liter), daher der Begriff "Party Seven".

Bald darauf erschien eine kleinere 4 pint Version (ca. 2,2 Liter), die "Party Four".

Später, Anfang der 1970er Jahre, kam eine 5 pint Zwischengröße hinzu.

 

In den 1960er Jahren war England im Umbruch, die neue POP Kultur veränderte das Leben der Jugendlichen. Speziell für diese Altersgruppe gab es jetzt eine eigene Mode. Der BEAT, eine neue Musikrichtung, eroberte die Hitparaden. POP Gruppen wie die Beatles, Rolling Stones, Kinks oder Tremeloes beherrschten die neue Musikszene und betimmten den neuen Tanzstil der Jugend.

Es wurden Partys gefeiert, das Bier dazu gab's jetzt auch in den neuen PARTYDOSEN.

Englische Bierdeckel aus den 1960er Jahren zeugen von der bunten Vielfalt dieser neuen Gebindeform.

Die wohl bekannteste Party Seven war die rote 7 pint Dose von Watneys.

 

Vertreter aller 3 Größen befinden sich im Hobbymuseum.

USA

Die neue Mode und die neue Musik schwappten über den großen Teich.

Auch Partydosen fanden hier Anklang. So brachten amerikanische Hersteller 1964 erstmals eine Größe von 1 US Gallone Inhalt auf den dortigen Markt. Man verwendete Begriffe wie "Gallon Cans", "Party Kegs" oder Party Barrel".

US Grösse und Werbeschild (1960er Jahre)

Für knapp 10 Jahre war diese Größe (ca. 3,785 Liter) in Gebrauch.

Lederbräu Genuine Draft Beer gab es auch als Sondergrösse (1/2 US Gallone) für den Bundesstaat Indiana.

Bundesrepublik Deutschland

Auch die deutsche Jugend begann, eigene Wege zu gehen. Im Fernsehen gab es seit 1965 den "Beat Club" von Radio Bremen, eine speziell für Jugendliche konzipierte Sendung mit englisch sprachiger Musik.

Ungefähr zu dieser Zeit kamen auch bei uns Partydosen auf den Markt, die damals nur mit externen Zapfanlagen zu betreiben waren. Sie faßten 3,75 bzw. 3,8 Liter Bier und wurden anfangs in Belgien hergestellt, erst Ende der 1960er Jahre stieg die Braunschweiger Firma Schmalbach-Lubeca in dieses Geschäftsfeld ein.

Die spätere 4 Liter Größe dominierte lange den deutschen Biermarkt.

Begriffe wie "Riesendose", "Großdose" oder "Party Boy" waren im Gebrauch.

Partyszene aus den 1970er Jahren, dargestellt auf einer Dose der Brauerei Wielemans. Das 3,8 Liter Fässchen mit Wiel's Bier befindet sich in einem Styropor-Kühler. Die externe Zapfanlage wird mit einer Kohlensäure-Patrone betrieben, die sich im Handgriff befindet.

 

Alle bisher beschrieben zylindrischen Formen sind spätestens in den 1980er Jahren vom Markt verschwunden.

Fässchen-Form

Ursprung in Deutschland

Die Fass*Frisch GmbH aus Heilbronn hatte die Idee der Fässchenform, die sich vom hölzernen Bierfass mit umlaufenden Metallbändern ableitete. Sie war damaliger Lizenzgeber, wobei die Fa. Huber aus Öhringen Ersthersteller dieser anspruchsvolleren Dosenform war. Im Herbst 1972 kamen die ersten 5 Liter Fässchen auf den Markt.

Diese Form hat sich bis heute bewährt und ist auf allen fünf Kontinenten vertreten.

Beispiele aus dem Hobbymuseum

Bild: 5 Liter Standardgröße (links)

 

10 Liter Sondergröße aus den 1980er Jahren (Mitte)

 

3,1 Liter MAXI CAN, 2011 von der Ardagh Group eingeführt (rechts)

 

Ohne Abbildung: 3 Liter Größe, nur in Japan verwendet

Fässchen Sonderformen aus Kunststoff

1970 führte die Brauerei Irle aus Siegen ein 7 Liter Einwegfässchen aus Kunststoff ein. Ein verchromter Zapfhahn und ein Kohlensäuregeber wurden wiederverwendet, das Fässchen selber wurde entsorgt. [5]

Diese Fässchen gab es auch ohne Kohlensäurepatrone, z.B. Stubs Alt, Schlösser Alt oder Tivoli Alt.

2011 führte die Heineken Gruppe zunächst in Holland ein 4 Liter PET Fässchen ein, das Amstel Tapje. Es ist mit integrierter Kohlensäure und oben liegendem Zapfhahn ausgestattet. In Deutschland gibt es dieses Gebinde nicht, nur in einigen Ländern mit Brauereien der Heineken Gruppe.

 

Weiterentwicklungen bei den Fässchen

a) Integrierter Zapfhahn

Die größte Innovation war die Einführung des integrierten Zapfhahnes, da jetzt eine separate Zapfanlage nicht mehr unbedingt benötigt wurde. Das erste Partyfässchen dieser Art kam von der Warsteiner Brauerei 1998 auf den Markt.

Es folgte ein Partyfass Boom ähnlich wie in den 1960er Jahren mit der kleinen Bierdose durch den Aufreißverschluss.

 

b) Die integrierten Drucksysteme

1. Interbrew UK und Quoin Industrial (USA) entwickelten ein mechanisches Drucksystem mit einem expandierendem Ballon. Dieses "Self-pressurizing draught barrel" genannte System erschien 2003 in England, konnte sich aber langfristig nicht behaupten.

2. Im gleichen Jahr brachte Heineken ein sog. "Tapvat" zunächst für den holländischen Markt heraus. Die versprochene Frischegarantie und die Verlagerung des Zapfhahnes auf die Fassoberseite waren durch ein integriertes CO2 System möglich geworden. Die Weiterentwicklung nennt sich "Draught Keg", in Deutschland seit 2007 auch als "Frische Fässchen" von Krombacher bekannt.

3. Fast parallel dazu entwickelte der Weltmarktführer Huber ein eigenes System, "easykeg-IPS" genannt. Eine neue, an ein Keg erinnernde Fassform, rüstete man mit einer integrierten CO2 Kartusche aus.

4. 2010 kam dann der sog. "Zapfstar" hinzu, er verfügte neben der integrierten CO2 Kartusche über einen oben liegenden Zapfhahn für das perfekte Zapfvergnügen.

Leider sind diese beiden konfortablen Systeme 2015 vom Markt genommen worden, scheinbar war der Endverbraucher nicht bereit, die Mehrkosten für diese aufwändigeren Systeme zu bezahlen.

5. Die Fa. Fass Frisch aus Eppingen entwickelte ein auf die Partydose aufgesetztes Kunststoffteil, das eine CO2-Patrone und einen Zapfhahn enthält. Das "Top Keg Plus" genannte System wurde seit 2007 zunächst von der Heidelberger Fa. Emex vertrieben. Später übernahm es die Fa. Kleemann, die es für einen Teil ihrer produzierten Partydosen verwendet.

Die hier vorgestellten Fässchenformen sind im HISTORIE-RAUM des Hobbymuseums ausgestellt und man kann so die unterschiedlichen Zapftechniken kennenlernen.

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© H. Frommeyer