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Delmenhorst

Bierbrauen in Delmenhorst

Postkarte, 1897 gelaufen [21]

Die über 100 Jahre alte Postkarte zeigt verschiedene Ansichten von Delmenhorst, u.a. eine Abbildung der Dampfbrauerei zum Bungerhof.

Vergrößerung der Brauereiansicht

1851 gründete der aus einer Korkschneiderfamilie stammende Christian Hinrich Cordes eine Brauerei mit Wirtshaus im heutigen Stadtteil Bungerhof am Brauereiweg. Kurt Müsegades bezeichnet Hasbergen (heute zu Delmenhorst) als Hochburg der Korkenschneider. Meist nebenberuflich wurden anfangs Korken aus den Rinden der Korkeichen von Hand geschnitten und an Weinhändler, Bierbrauer und Apotheker verkauft [11]. Über den Kontakt zu Bierbrauern entstand wohl die Idee, selbst in dieses Geschäft einzusteigen.

Seit 1859 gab es fortan aber zahlreiche Besitzerwechsel und auch Konkurse. Vermutlich war das schlechte Brauwasser schuld.

Der Betrieb firmierte z.B. als Brauerei zum Bungerhof, Delmenhorster Dampfbrauerei oder Delmenhorster Vereinsbrauerei.

Der Delmenhorster Autor und Fotograf Fritz Schröer beschreibt die Brauerei in einem Artikel von 1960 [10]. Er selbst hatte damals noch den wuchtigen 20 m hohen Sudturm gesehen, der im Jahre 1900 errichtet und 1969 abgerissen wurde.

Die Brauerei ging endgültig in Konkurs, nachdem ein Feuer im August 1913 das Sud- und Kesselhaus zerstört hatte.

 

In der folgenden Tabelle sind die einzelnen Besitzer lt. Fritz Schröer zusammen-gefaßt:

Von bis Besitzer aus
1851 1859 Christian Hinr. Cordes Delmenhorst
4/1859 9/1859 Strodthoff
1859 1865 Konkurs Finkenstedt
1865 1866 Strodthoff
1866 1870 Rein
1870 1885 Bödeker
1885 12/1885 Mählmann & Deus Oldenburg
12/1885 1890 Konkurs Bachmann Sachsen
1890 1893 Lust (Hopfenhändler) Nürnberg
1893 1899 Mehne Harz
1899 1913 Konkurs Vereinsbrauerei Delmenhorst G.m.b.H.
1914 Stillegung des Braubetriebes
1914 1920 Spediteur Meyer und Kaufmann Wohlers
1920   Selterswasserfabrikant Parthey
Werbung aus dem Jahre 1912 für Delmenhorster Bier [24]
Foto H. Frommeyer (Stadtarchiv/Museum für Industriekultur)

Der neue Stadtarchivar Christoph Brunken entdeckte nach seinem Amtsantritt im Archiv diese alte Bierflasche der Vereinsbrauerei Delmenhorst, die künftig ihren Platz im Museum für Industriekultur finden soll [26].

Eigentlich nichts Außergewöhnliches, aber diese über 100 Jahre alte Flasche ist noch mit Bier gefüllt und original verkorkt, siehe Foto.

Sie trägt nicht nur einen geprägten Schriftzug, sondern zeigt auch das Emblem der Vereinsbrauerei.

Der dargestellte Turm ist der sog. "Blaue Turm" der ehemaligen Delmenhorster Grafenburg, die im 18. Jahrhundert abgerissen wurde.

Die Schrägstellung des Turmes im Wappen belegt, daß die Darstellung aus der Zeit vor 1913 stammt.

Wappenvarianten

 

(a) Geprägtes Emblem auf der Flasche
(b) Wappen der Stadt Delmenhorst auf einer alten Reklamemarke (vor 1913), schräg angeordneter Turm

(c) Heutiges Stadtwappen (Aufkleber), nach Ratsbeschluß 1913 steht der Turm wie in frühen Jahren wieder senkrecht im Wappen

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In verschiedenen anderen Quellen werden auch folgende Namen mit Bier/Brauerei in Verbindung gebracht:

- H. Toebelmann ~ 1860/1870, Lange Straße

- M. Tönnjes ~ 1860/1870

- Gastwirtschaft und Brauerei Hocke (Lange Straße 23, früher Westl. Langen

  Straße 35)

- Bierverlag Fr. Hocke, Louisenstraße 8

- Bierbrauer Karl Rüter, Bremerstraße 92, später Bierverleger, Bungerhof 171 [24]

- Hermann Kaiser, Fischstraße 37

 

Wer hierzu nähere Informationen hat, bitte melden!

In den 1990er Jahren war mal eine Gasthausbrauerei im Gespräch, das Vorhaben ist aber nicht verwirklicht worden.

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Ausgewanderter Bierbrauer aus Delmenhorst

Der Name Artur Fitger ist den meisten Delmenhorstern ein Begriff. Weniger bekannt ist sein Bruder August, der in Duluth am Lake Superior (USA) im Jahre 1882 Mitinhaber der dortigen Brauerei wurde. Die nannte sich zunächst

"A. Fitger & Co. Lake Superior Brewery", später "Fitger Brewing Company".

Fitger Beer wurde hier bis 1972 gebraut.
 

August Fitger, 1854 in Delmenhorst geboren, war am 20. Oktober 1871 als Siebzehnjähriger in Bremerhaven an Bord des Segelschiffes "Christal" gegangen, um nach Amerika auszuwandern.

Er erlernte das Brauhandwerk, arbeitete in verschiedenen amerikanischen Brauereien, kehrte aber kurzfristig nach Deutschland zurück, um in Weihenstephan (Bayern) den Braumeistertitel zu erwerben...

Weitere Infos und Bilder im Hobbymuseum

Flaschenetiketten der Fitger Brauerei in Duluth (Minnesota, USA)
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© H. Frommeyer